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Portrait in der Frankfurter Rundschau

Der multikreative Fotokünstler

Fotograf, Fotojournalist, Internet- und PR-Designer, Kreativ-Direktor der eigenen Agentur Westblock, Synchronsprecher, Schauspieler, Musiker und Songwriter: Das ist Jim Brutto.

Keinen Anzug mehr. Niemals. Jim Brutto trägt das gemusterte Hemd lose über den dunklen Jeans. Augenfällige Dokumentation, dass sein aktuelles Leben weder formalen Zwängen noch irgendeiner Kleiderordnung gehorcht. Seine drei Mädels sind erwachsen und bis auf eine aus dem Haus, und er, der Frankfurter aus Leidenschaft, endlich frei, das zu sein, was er im Herzen immer war: multikreativer Künstler.

Jim Brutto im Frankfurter Ostend 2009

Fotograf, Fotojournalist, Internet- und PR-Designer, Kreativ-Direktor der eigenen Agentur Westblock, Produktentwickler, PR-Texter, Synchronsprecher, Schauspieler, Musiker und Songwriter: Bei Jim Brutto passt alles in ein Leben. Und bricht aus ihm heraus, was viel zu lange aufgestaut war. Über all die Jahre, als seine Kinder noch klein und der Anspruch, ihnen alles zu bieten - Haus mit Garten in Sachsenhausen, hohen Lebensstandard, gute Ausbildung - hoch war. "Ich war von morgens bis in die Nacht nur Verdiener." Ein Versicherungskaufmann aus Pflichtgefühl.

Ausgerechnet er, der schon als kleines Kind neugierig, kreativ und kaum zu bremsen war. Als Jugendlicher hat der gebürtige Mainzer, der im norddeutschen Minden aufgewachsen ist, Rockmusik gemacht. Er hat fotografiert, später ein wenig Biochemie und Innenarchitektur studiert, auf einem Bauernhof im Norddeutschen gelebt, getextet und Musik gemacht. Deutsch-Rock, Blues, Balladen. Bis die erste Tochter unterwegs war. Dann Crash-Kurs als Versicherungskaufmann und ab nach Frankfurt zum Geld verdienen. Hat geklappt.

Jim Brutto ist erfolgreich. Wenn er etwas anfängt, dann tut er es mit vollem Einsatz. 15 Jahre lang hat der Mann, der nie über sein Alter spricht, den Knochenjob durchgehalten. Bis er vor lauter Steifheit und rationaler Verkäufermentalität "keinen mehr duzen konnte", wie er sagt. Da hat er den Sprung gewagt, sich auf seine Kreativität besonnen, eine eigene Internetfirma aufgezogen, Webseiten, Werbeprospekte, Internetportals entwickelt und produziert, darunter den Frankfurter Online Cityguide Xtra City.

Eigener Frankfurt-Song plus Apfelwein-Kalender

Und nebenbei macht der Mann, der vor zwei Jahren mit seiner Frau, der jüngsten Tochter und Hund Brutus von Sachsenhausen ins Ostend zog, Musik. 300 Songs liegen in der Schublade, demnächst, verrät er, wird er mit einer Sängerin eine CD einspielen und selbst mit Studiomusikern vors Mikro treten. Den ersten Anlauf mit Auftritten hat er schon 2003 genommen, trat zwei Jahre lang mit seiner Band Milieu Minister auf die Bühne.

Dem groß gewachsenen, kräftigen Mann reicht das nicht. Sein jüngstes Projekt, der Frankfurter Apfelweinkalender plus CD mit selbst komponiertem Frankfurt-Song, liegt in 1300 starker Auflage in Geschäften und Buchläden zum Verkauf. Demnächst wird der von ihm entwickelte und patentierte Apfelwein-Mix "Frankfurter Trinkwasser" [Anmerkung: So lautete der damalige Arbeitstitel] auf den Markt kommen. Er soll einschlagen wie es der "Deutsche Schnitzelkönig-Contest" getan hat, den mehrere Fernsehsender ausgestrahlt haben und der gleichfalls Bruttos Kreativschmiede entstammt.

Brutto kennt keine Tabus und keine Berührungsängste. Egal, ob er Werbung für Lakritz entwickelt, seinen Bembel mit Piratenkopf, ob er beim Tatort in eine Statistenrolle schlüpft, seine künstlerisch anspruchsvollen Bilderstrecken und Frankfurt-Fotokalender fotografiert und zusammenstellt oder sich ehrenamtlich für die Tafeln für Bedürftige engagiert, deren Webseiten er seit Jahren betreut - Brutto macht alles mit Leidenschaft. Er nennt das Lebensfreude. "Mit gebremsten Schaum kann man keine schillernden Seifenblasen steigen lassen."

(Portrait erschienen in der FR FRANKFURTER RUNDSCHAU vom 9.12.2009; Autor: Anita Strecker)